Heilpädagogische Tagesschule, Biel

Heilpädagogische Tagesschule HPT Biel, Erweiterung und Totalsanierung 2015 – 2017
Built

Auszeichnung: DRA4 "Distinction Romande d'Architecture" 2018

Alle 4 Jahre werden im Rahmen der DRA (Distinction Romande d'Architecture) beispielhafte architektonische Leistungen juriert.

Im Pavillon Sicli in Genf wurde am 29. September 2018 die Wander-Ausstellung mit den 18 ausgezeichneten Arbeiten eröffnet. 

https://dra4.ch/dra4/informations/exposition/

Geehrt wurde auch die gesamtsanierte und erweiterte Heilpädagogische Tagesschule Biel von bauzeit architekten Biel.

https://dra4.ch/dra4/projets/1736/ecole-de-pedagogie-curative-bienne

Wir alle freuen uns sehr!

 

 

Die Heilpädagogische Tagesschule Biel ist eine Sonderschule für Kinder im Alter von 4 bis 18 Jahren, welche infolge ihrer geistigen und/oder körperlichen Behinderungen eine besondere Lernumgebung benötigen. Mit 116 Kindern zählt sie zu den drei grössten Sonderschulen im Kanton. Sie ist die einzige zweisprachige Sonderschule. Das Schulgebäude aus dem Jahr 1974 ist an drei Seiten erweitert worden. Die Erweiterungen basieren auf dem bestehenden Grundraster aus gleichseitigen Dreiecken.
 

Holzfassade mit Möblierungssystem

Eine Besonderheit des Projekts ist die mit massivem Eichenholz entworfene Glasfassade, welche innen mit einem integrierten Möbelsystem individuell ausgestattet werden kann. Das ebenfalls konsequent in massiver Eiche gemachte Kit besteht aus Sitzbänken, Arbeitstischen, Gestellen, Aufhängevorrichtungen u.dgl. und ist sehr einfach zu handhaben mit einem praktischen Einhängesystem von konischen Eichenzäpfen, welche in dafür vordisponierte Löcher in den Fassadenpfosten passen und jederzeit ohne Werkzeuge umgehängt werden können. Gegen aussen ergibt die so bespielte Fassade ein lebendiges Bild innerhalb des ruhigen Hauptrasters. Das Design dieser Fassade resultiert aus dem Wunsch nach viel Tageslicht und einem starken Bezug zum Aussenraum durch geschosshohe Verglasung, mit gleichzeitiger Nutzungsmöglichkeit der Fassadenflächen.
 

Begegnungsflächen, Vorbereiche mit Garderobensystem

Der Innenausbau beruht auf der Philosophie der Reduktion auf wenige, «er-fassbare» Materialien: Eichenholz im Zusammenspiel mit bestehenden Sichtbetonwänden und -Decken. Türrahmen und -Blätter in Eiche, mobile Trennwände, Zwischenwandelemente und Sitzmöbel in Eiche. Für die Korridor- und Garderobenwände wurden hell lasierte, zementgebundene Holzwerkstoffplatten gewählt, welche mechanisch sehr widerstandsfähig sind und keine zusätzlichen Aufprallschutz- oder Sockelleisten erfordern, und auch geeignet sind für das Garderobensystem; dieses besteht aus einem Satz von 4 gedrechselten Eichenzäpfen pro Schüler, welche dieser seiner Grösse entsprechend im Wand-Lochraster einsetzen kann. Eigens entworfene Filztaschen für Schuhe werden ebenfalls mit einem Eichenzapfen an die Wand gehängt. Mobile, hexagonale Hocker mit Fächern für Stiefel ergänzen die individuell gestaltbaren Erschliessungsbereiche vor den Klassenräumen.

Zusammenarbeit mit Künstlerin und Schülern
Damit die Kinder die Umtriebe nachvollziehen und sich im sanierten Gebäude wieder zuhause fühlen konnten, war die Idee entstanden, sie in einer Projektwoche konzeptionell teilhaben zu lassen. Zusammen mit der Lehrerschaft erarbeiteten sie Skizzen für die spätere konzeptionelle Gestaltung.
Dies fand zum Beispiel in der Entwicklung von ornamentalen Patchworks und Zeichnungen Niederschlag, welche danach durch die Künstlerin Susanne Dubs für ihre Arbeit aufgenommen wurde: bunte Kinderkompositionen mit Dreiecken, dazu Grundrisse der einzelnen Räume und Erschliessungen bildeten die Grundlagen für eine funktionale Ornamentik, angewandt als Sichtschutz mit kleinen Durchblicken, als Kollisionsschutz bei den Glastüren, als feine Muster auf Vorhängen und bei den Fenstermöbeln als ephemeres Spiel von Licht und Schatten. Die Oberlichter sind Kaleidoskopartig mit auswechselbaren Elementen bespielbar, die wandernde Schatten- und Farblicht-Spiele auf Wände und Boden projizieren.

Fotos: Yves André